

Verdrängte Wahrheiten
Tonja Berger lebt mit einer Lüge. Seit sie mit zwanzig erfährt, dass sie nur eine Niere hat, schiebt sie diese Wahrheit beiseite und führt drei Jahrzehnte lang ein Leben, als wäre sie unverwundbar. Als gefeierte Schriftstellerin eines renommierten Verlags reist sie um die Welt, sammelt Bruchstellen fremder Biografien und folgt den Spuren ihrer Mutter nach Sankt Petersburg – und in Israel der Geschichte ihres jüdischen Großvaters.
Aufgewachsen als Tochter eines DDR-Fernsehjournalisten, der Wahrheiten so lange formte, bis sie sendefähig waren, trägt Tonja früh die Kunst der Verdrängung in sich. In Kalifornien verliebt sie sich in einen charismatischen Mann, der sie mit subtilen psychologischen Techniken manipuliert und an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt. Aus dieser zerstörerischen Beziehung entsteht ihr Bestseller: Kein Leben mit dir – eine schonungslose Abrechnung mit emotionaler Gewalt. Doch als ihr Körper versagt, gerät Tonjas Lebensentwurf ins Wanken. Sie muss sich zwei Wahrheiten stellen: ihrer physischen Verletzlichkeit und ihrer lang gehegten Blindheit gegenüber sich selbst.
Ein Roman über die verhängnisvollen Parallelen zwischen Selbsttäuschung und Manipulation – und über eine Frau, die lernen muss, Wahrheit und Erzählung auseinanderzuhalten..
Taschenbuch
Erscheint Frühjahr 2026
ISBN 978-3-910471-65-8

Sauerkraut Boulevard
In den 1930er-Jahren war die East 86th Street das Herz der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft in Manhattan. Die Einheimischen nannten sie liebevoll »Sauerkraut Boulevard« – ein Viertel, in dem Deutsch auf der Straße gesprochen wurde.
Doch zwischen Apfelstrudel und Heimatabenden formierte sich auch etwas anderes: der German-American Bund. Die Organisation versammelte Nazi-Sympathisanten, die in Uniformen durch die Straßen von Yorkville marschierten – amerikanische Flaggen neben Hakenkreuzen.
Rengha Rodewill dokumentiert dieses vergessene Kapitel der New Yorker Stadtgeschichte: die Jahre, in denen der Nationalsozialismus mitten in Amerika Fuß zu fassen versuchte – und die Menschen, die sich ihm entgegenstellten. Unter ihnen der jüdische Richter Nathan Perlman und der Gangster Meyer Lansky, die mit ungewöhnlichen Mitteln dafür sorgten, dass die Nazi-Versammlungen ein Ende fanden. In Newark kämpften die »Minute Men« gegen den Bund.
Im zweiten Teil des Buches kommen jene zu Wort, die vor dem Nationalsozialismus fliehen mussten: Heinrich und Klaus Mann, Else Lasker-Schüler, Ernst Toller, Stefan Zweig. Ihre Texte aus dem Exil sind Zeugnisse einer verlorenen Welt.
Ein Buch über Verführung, Widerstand und die Stimmen derer, die nicht schwiegen.
Taschenbuch
Abbildungen
Erscheint 2026
ISBN 978-3-910471-64-1
Der Schrecken hat einen Namen
Das Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg galt als eine der repressivsten Haftanstalten der DDR. Hier wurden politisch missliebige Frauen systematisch gebrochen, gefoltert und zur Zwangsarbeit gedrängt. Die Berliner Fotografin Rengha Rodewill hat diese authentischen Orte des Schreckens besucht und mit ihrer Kamera festgehalten, was von diesem Unrechtssystem übrig geblieben ist.
Ihre eindringlichen Bilder führen den Betrachter durch die düsteren Gänge und Zellen einer Anstalt, die bis heute von der Brutalität der SED-Diktatur zeugt. Von der historischen Außenansicht bis in die bedrohlichen Innenräume dokumentiert Rodewill nicht nur die baulichen Relikte, sondern macht die Atmosphäre des Terrors spürbar, die noch immer in diesen Mauern zu leben scheint.
Acht bewegende Einzelschicksale geben den anonymen Opfern ein Gesicht. Frauen berichten von ihrer Verfolgung durch die Staatssicherheit, von Willkür und Misshandlung, von der systematischen Ausbeutung ihrer Arbeitskraft für Devisen – auch zum Profit westdeutscher Unternehmen.
Rodewills fotografische Spurensuche führt weiter in die verlassene Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, wo sie die Machtzentrale Erich Mielkes dokumentierte. In den 41 Einzelgebäuden des »unheimlichen Blocks« wird die destruktive Macht der Geheimpolizei greifbar, die das Leben Tausender Menschen zerstörte.
Ein eindringliches Zeugnis über eine der dunkelsten Seiten der deutschen Geschichte – und eine Mahnung, dass die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit noch längst nicht abgeschlossen ist.
E-Book
Zahlr. Abbildungen
Erscheint Frühjahr 2026
ISBN 978-3-9821614-2-6 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-910471-77-1 (ePDF)
International Affairs
Teil 1
Als der spätere Kaiser Wilhelm II. in der ersten Hälfte der 1880er-Jahre als Prinz ins Auswärtige Amt berufen wurde, warnte ihn Bismarck vor dem »Mann mit den Hyänenaugen«, und auch Bülow äußerte sich später in ähnlicher Reserve. Fritz von Holstein mied während seiner gesamten Amtszeit jede verantwortliche Position, wirkte aber im Hintergrund durch seine Kenntnis des gesamten Apparates der Wilhelmstraße und seines Personals. Er übte einen unheilvollen, nicht zu kontrollierenden Einfluss auf die Außenpolitik des Reiches aus, der auch nach seiner Pensionierung anhielt, da führende Persönlichkeiten, darunter Reichskanzler Fürst Bülow, häufig seinen Rat suchten.
"Großbeerenstraße 40, nahe Kreuzberg. Kleinbürgerliche Häuser, kleinbürgerliche Läden. Fünf Minuten weiter, schon in der Yorckstraße, dröhnt, schreit, protzt das neue Berlin in Stuckpomp. Hier ist seine Wohnung, drei kleine Zimmer, nirgends die leiseste Ahnung von Luxus und Üppigkeit. Aber es muss regelmäßig etwas anderes sein, denn die Gourmandise ist der einzige Tribut, den Holstein einer Lebensfreude zollt, die bei ihm sonst längst verschüttet ist.
Karl Kraus - Meister des giftigen Spottes.
Herausgeber und ab 1912 alleiniger Autor der Zeitschrift »Die Fackel«, Satiriker, scharfer Kritiker der Presse und zugleich einer ihrer Stars. Kraus war zeitlebens umstritten. Marcel Reich-Ranicki nannte ihn »eitel, selbstgerecht und selbstverliebt«. Man warf ihm vor, sich in gehässigen Denunziationen und Verleumdungen zu ergehen. Neben Karl Valentin gilt er als Meister des Galgenhumors. Kraus’ Anhänger hingegen sahen in ihm eine unfehlbare Autorität, die alles tat, um den von ihm Unterstützten zu helfen. 1907 griff Kraus seinen ehemaligen Gönner Maximilian Harden wegen dessen Rolle im Eulenburg-Prozess in der ersten seiner spektakulären »Erledigungen« an: »Maximilian Harden. Eine Erledigung«. Die Beziehung zwischen Kraus und Harden war von Anfang an von einem gemeinsamen Verständnis publizistischer Tätigkeit geprägt. Sie waren zusammengekommen, weil sie glaubten, in ihrer Arbeit voneinander profitieren zu können.
Teil 2
Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld: Das Ende König Ludwigs II. von Bayern.
Über die Anwesenheit der »Lustbuben« bei Hofe erfährt man einiges aus dem Bericht des Fürsten Eulenburg, doch potentiell gefährlicher wären andere Informationen gewesen, wenn sie an die Öffentlichkeit gedrungen wären: Ludwig II. hatte sich die Zustimmung zur Reichsgründung von Bismarck abkaufen lassen, der wiederum aus schwarzen Kassen bezahlt wurde. Eulenburg weiß das alles genau, er kennt auch den Friseur Hoppe, der die Regierung bilden soll. An jenem schicksalhaften 13. Juni 1886 hält sich Eulenburg in der Villa Cäcilia am Würmsee (Starnberger See) auf, die er damals mit seiner Familie bewohnte, und blickt gelegentlich durch ein Fernglas zu dem kleinen weißen »Schloss Berg« hinüber. Am nächsten Morgen erhielt Eulenburg die Nachricht: »Soeben ist ein Wagen aus Berg gekommen, der eilends Dr. Heiß abgeholt hat. Man hat in seinem Hause gesagt, der König und der Irrenarzt Gudden seien tot im See gefunden worden«.
E-Book – ePUB3/PDF
Zahlr. Abbildungen
Erscheint 2026
ISBN 978-3-9821614-9-5 (ePUB-Reflowable)
ISBN 978-3-9821614-5-7 (ePDF)
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